Test: Omega Quintet für PS4

Die Prämisse von Omega Quintet ist simpel: Der Spieler kontrolliert eine Gruppe von „Idol“ Mädchen, die als einzige die Macht haben, eine dunkle Bedrohung namens „Blare“ zu bekämpfen. Idols – das sind Sternchen der japanischen Kultur, diese Rolle thematisiert das Spiel stark. Wenn die Gruppe an Idols, Verse Maidens genannt, gegen Feinde der Blare-Plage antritt, schaut meist ganz Japan zu. Die Kämpfe werden der Öffentlichkeit übertragen, ein großes Event wird aus den Gefechten gemacht. Selbst eine Live-Reporterin kommentiert die Ereignisse. Auch wenn im Grunde genommen der Angriff der Blare Dreh- und Angelpunkt der Story ist, geht das Spiel fast durchgehend auf die Idol-Thematik ein. Für Spieler, die mit der Hyperdimension Neptunia Serie nicht vertraut sind, mag es anfangs befremdlich wirken, wenn junge Mädchen andere junge Mädchen beim Kämpfen anfeuern. Die Story spielt mit Klischees und braucht lange Zeit, um in Fahrt zu kommen. Ich empfand die meisten Ereignisse während dem Durchgang erschreckend unspektakulär. Bis zum Ende passiert tatsächlich nicht viel mit Substanz. Dennoch hat mich die Erzählung unterhalten, was an der mal ernsten, mal (ur)komischen Interaktion der Mädels lag. Aufgrund fehlender Akzente in der Handlung bleibt diese aber relativ farblos und ist keineswegs der Grund, warum ihr Omega Quintet spielen solltet.

 

 

Der Hauptpunkt, der für Omega Quintet spricht, ist ein überraschend tiefgehendes Kampfsystem. Die Gefechte des Titels finden rundenbasiert statt. Zunächst erscheint das Kampfgeschehen simpel, doch mit steigender Idol-Zahl in der eigenen Truppe werden immer mehr Verkettungen und Strategien möglich – zudem steht nach einiger Zeit der Manager „Takt“ zur Hilfe im Kampf bereit. Jedem Verse Maiden stehen einfache Angriffe sowie Spezialmanöver zur Verfügung. Diese reichen von Heilaktionen über Nahkampfangriffe bis hin zu Fernattacken. Die Distanz zu den Gegnern ist ein wichtiges Element im Kampf, die Entfernung wird durch farbige Kästen deutlich gemacht. Achtet man nicht auf die Entfernung eines Gegners und wählt einen falschen Angriff, trifft kein einziger Treffer sein Ziel. Es gilt also stets, ein Auge auf die Distanz zu werden. Ebenso lohnt es sich, die Voltage Gauge Leiste im Blick zu behalten. Wird diese durch erfolgreiche Spielzüge gefüllt, ist ein extrem mächtiger Angriff möglich. Soweit so gut, doch es wird deutlich komplexer.

 

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Greifen die Maidens in einer günstigen Reihenfolge an, wird der „Harmonics“-Skill aktiviert. Dabei attackieren bis zu 5 Idols die Monster mit einem verheerenden Kettenangriff. Werden während dieser Harmonics-Aktion bestimmte Manöver benutzt, kann es gar zur „Harmonics-Chain“ kommen, die den Kampf im Nu entscheidet. Weiterhin bettet der Titel Kleidungsstücke ins Kampfgeschehen ein. Kleidung sorgt für zusätzlich stärkende Werte, doch können die Rüstungsteile auch zerstört werden, wodurch man den positiven Effekt verliert. Optisch verschwindet die Kleidung nicht und es kann dazu kommen, dass ein Kleidungsstück zweifach zerstört wird – in diesem Fall werden wir mit negativen Effekten bestraft. In einem Shop kann die Rüstung repariert und aufgestuft werden, um mehr Schaden auszuhalten. Durch Aufleveln können die Mädels neue Fähigkeiten erlernen und bestehende verbessern, was in neuen Kettenangriffen resultiert. Viele Komponenten verzahnen im Kampfsystem von Omega Quintet. Es dauert seine Zeit, bis man jedes Prinzip verstanden hat. Dass man Kämpfe oft wiederholen muss, also ums „Grinden“ nicht herum kommt, mag manchen nicht gefallen. Dennoch ist das Kampfsystem mit seiner komplexen Art das Highlight des Spiels. Es fühlt sich einfach wahnsinnig befriedigend an, wenn eine schier ewig andauernde Trefferkombo den Kampf gegen mächtige Feinde im Handumdrehen entscheidet.

 

 

Das Spiel hat Visual Novel Anteile, in denen ausschließlich die Story voran getrieben wird, und es hat Anteile, in denen wir uns in Arealen bewegen und kämpfen. Der Titel besteht aus neun Kapiteln, die fast alle im Kern aus Spielgeschehen bestehen und am Anfang und Ende von Storygeschehnissen umrahmt sind. Die Spielumgebungen, die die Figuren betreten, sind zumeist riesig, anfangs allerdings auf einen kleinen Teil beschränkt. Je weiter man im Spiel voranschreitet, desto mehr Wände werden in den Arealen frei. Das Spiel teilt uns jedoch nicht mit, welcher Bereich sich in welchem Level öffnet. Der Spieler muss also alle Umgebungen bereisen und selbst schauen, wo es weitergeht. Durch dieses Konzept habe ich mich stellenweise verloren und hilflos gefunden, manchmal auch frustriert. Quests benötigen zum Abschluss oftmals das Erlangen einer bestimmten Fähigkeit, doch verschweigt uns der Titel ebenfalls zu oft, was genau zur Beendigung einer Mission erfordert ist. Omega Quintet will seine Spieler hier auf Entdeckungsdrang bürsten, doch macht das ständige Ausprobieren nach einiger Zeit kaum noch Spaß. In dieser Hinsicht hätte ich mir ein besseres Konzept gewünscht, so kommt es mir schlampig gestaltet vor.

 

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Was bietet Omega Quintet neben den Visual Novel-Segmenten, der Levelerkundung und dem Kämpfen noch? Sämtliche Idol-Elemente finden sich im Hauptspiel nur nebensächlich vor, im Kern ist es ein waschechtes JRPG. Was hat es also mit der beworbenen Idol-Simulation auf sich? Diese kommt in einem gesonderten Modus daher, der sich Promotional Video System nennt. In diesem PVS-Modus erhalten Spieler Zugang zu einem fähigen Video-Editor, mit dem sich jedes Detail einer Gesangsperformance verändern lässt. Wir können wählen über: Den Song, die Idols, sämtliche Bewegungen und Kameraperspektiven. Wer die Playstation Kamera sein Eigen nennt, kann aktiv in die Performance mit einsteigen. Playstation Move-Besitzer können dem Video weitere optische Effekte beisteuern. Ich bin kein Fan solcher Idol-Simulationen, bin von den vielen Möglichkeiten jedoch überrascht. Obwohl PVS hier nur optional als Zusatz geboten wird, sollten Fans dieses Konzept dem Spiel definitiv eine Chance geben.

 

 

Grafisch schlägt Omega Quintet keine große Wellen. Das RPG ist der erste PS4-Titel für Entwickler Compile Heart. An dieser Stelle ist also zu loben, dass das Spiel technisch gut läuft. Ruckler oder Framerateprobleme konnte ich nicht feststellen. Während die Charaktermodelle detailliert gezeichnet und knallbunt wirken, machen die Umgebungstexturen keinen hübschen Eindruck. Auch die Animationen der Figuren lassen mit ihren hölzernen Bewegungen zu wünschen übrig. Optisch stechen wenige Highlights heraus, insgesamt wirkt die Grafik veraltet. Mir persönlich hat dies jedoch den Spaß am Spiel kaum genommen.

 

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