Test: Jormungand Volume 1 auf Blu-ray

Will man sich über die Serie Jormungand informieren, stößt man schnell auf Vergleiche zu Black Lagoon. Weibliche Hauptfigur? Check. Waffen ohne Ende? Check. Fulminante Action zum Auftakt? Check. Als großer Fan von Revy und ihrer Truppe war ich also gespannt, wie sich Koko und ihre Gefolgschaft in der Welt der animierten Action schlägt. Anime House veröffentlicht die gesamte Serie in Deutschland, verteilt auf vier Volumes. Mittlerweile ist die erste Ausgabe erhältlich und ich erzähle euch, was für ein Bild Jormungand nach den ersten sechs Episoden abgibt.

 

kokoJormungand dreht sich um die Geschichte von Koko Hekmatyar, die als Waffenhändlerin für das Transportunternehmen HCLI tätig ist und deshalb Waffenhandel inoffiziell, aber im großen Stil auf internationaler Bühne betreibt. Primär zeigten die ersten sechs Folgen der Serie bisher, wie Koko mit ihrem Team harmoniert und welche Gefahren auf die Leiterin solch gefährlicher Deals lauern. Denn in ihrer Rolle macht sich das schrille Mädel nicht nur Freunde, sondern selbstverständlich auch gewaltige Feinde. Die erste Folge schmeißt die Zuschauer gleich ins kalte Wasser und lässt nicht viel Zeit verstreichen, bis sich der erste Kugelregen ereignet. Der Auftakt zeigt allen voran, um welche Art Anime es sich bei Jormungand handelt. Hier steht die brachiale Action an aller erster Stelle, dicht gefolgt von interessanten Figuren und allerlei Intrigen. Doch während die erste Folge bereits den Action-Aspekt gut verkörpert, hinkt die Darstellung der Charaktere noch etwas hinterher. Denn abseits der kessen, kalkulierenden und etwas verrückten Koko zeigen sich zunächst wenige Figuren wirklich ansprechend. Koko hat ein Team aus Auftragsmördern und ehemaligen Söldnern zur Seite, das für sie durchs Feuer gehen würde. In den Anfangsfolgen werden die meisten ihrer Anhänger nur seicht vorgestellt, sodass sich der Großteil Kokos Angestellter recht farblos präsentiert. Nach und nach erst lernen wir die humorvollen Kameraden kennen, die mehr zu bieten haben, als man anfangs noch vermuten mag. Insbesondere der Charakter der sichtbar lesbischen, in Koko verknallten und zugleich beinharten Valmet scheint noch einiges an Tiefgang in petto zu haben.

Spannender steht es jedoch gleich zu Beginn um Jonah, dem neusten Zugang des Teams. Denn der kleine Junge, still und emotionslos, hasst Waffen und alles, was mit ihnen zu tun hat. Blöd nur, dass er sich einer Waffenhändlerin angeschlossen hat, die mit ihren Anhängern gerne auch einmal selbst Gebrauch von Waffen macht. Noch fragwürdiger: Jonah höchstpersönlich ist eine regelrechte Killermaschine. „Das Wie und Warum ist mir egal. Ich will nur wissen, wen ich erschießen muss und wo er ist – ganz einfach.“, nach diesem Motto sehen wir den Jungspund bisher handeln. Daraus ergibt sich eine höchst ambivalente, aber auch spannende Figur. Wieso beherrscht Jonah solch einen tödlichen Umgang mit Waffen? Wie hat er Koko kennengelernt und warum hat er sich ihr angeschlossen? Wie lautet seine Motivation? In Folge 5 machen wir einen Abstecher in die Vergangenheit des kleinen Jungen und beginnen, die Figur zu verstehen. Jonahs Motivation und zugleich innerer Konflikt werden angerissen, sodass sich mir diese Episode als bisher narrativ stärkste präsentierte. Wir bekommen erstmals einen Ausblick darauf, in welche Richtung die Geschichte um den sonderbaren Bub verlaufen könnte und es bleibt zu spekulieren, welche Rolle Koko in den Geschehnissen einnimmt.

Jormungand1

Nicht nur Kokos Verbündete warten mit jeder Menge Potential auf. Auch Gegenspieler sowie Figuren, deren Haltung noch nicht völlig einzuschätzen ist, liefern unterhaltsame Momente ab. In Folge 3 und 4 begegnen wir dem Duo Chinatsu und Shisho, das sich als Kopfgeldjägerteam präsentiert und Koko in den Weg stellt. Das Aufeinandertreffen resultiert nicht nur in einer lang andauernden, toll inszenierten Ballerei, sondern bringt auch eine interessante Hintergrundgeschichte über die komplexe Beziehung der Assassinen auf. Mit Karen Lo wird in Folge 6 erneut eine Antagonistin eingeführt, die spannende Charakterzüge parat hält. Dass die erste Volume in einem Cliffhanger endet, ist für Zuschauer natürlich ungünstig – für Anime House war es wohl jedoch nicht anders zu lösen. Jormungand besteht hauptsächlich aus zwei Folgen langen Geschichtszweigen. Neben dem Story-Arc in Folge 3 und 4 ist in dieser ersten Volume nur die Hälfte des nächsten Arcs enthalten. Wir müssen also auf Volume 2 und Folge 7 warten, um den Ausgang über den Kampf zwischen Karens Gruppe und Kokos Team zu erfahren.

Bislang gefällt mir das Pacing der Serie aber wirklich gut. Ich bin Fan des Konzepts von kurzweiligen 2-Folgen-Geschichten, die sich mit spannenden Einzelepisoden abwechseln und zu einer großen Rahmenhandlung führen. Es trat noch keine Sekunde Langeweile auf, was wohl mitunter an der Fülle und Qualität an Action liegt. Die Ballersegmente sind rasant inszeniert, wirken aber nicht allzu Over-the-top, worin sich ein großer Unterschied zu Black Lagoon zeigt. Sind grundsätzlich Parallelen festzumachen, empfand ich die Serie um Revy zumeist eine Spur größenwahnsinniger und verrückter. In Jormungand wird ein angenehmer Spagat aus wahnwitzigen Manövern und doch glaubwürdiger Choreographie geboten. Mit einer USK-Einstufung ab 16 ist schon alles gesagt: Jormungand ist blutig und brutal, legt es jedoch nicht auf eine übertriebene Gewaltdarstellung ala Elfenlied oder Berserk an. Hartgesottene Anime-Fans werden mit Koko, Jonah und Co. sicherlich ihren Spaß haben. Das gelungene Pacing aus ansehnlicher Action und humorvollen Momenten zum Verschnaufen stellt für mich bisher den Höhepunkt dar. Die Charaktere zeigen Potential und auch die übergreifende Geschichte macht Lust auf mehr.

Unter der Leitung von Keitaro Motonaga hat das Animationsstudio White Fox tolle Arbeit geleistet. Zugegeben, die Gestaltung der Charaktere ist gewöhnungsbedürftig. Sind es die Augen? Ich kann nicht ganz festmachen, was mich an der Zeichnung der Figuren „stört“, doch zugleich macht es die Charaktere besonders, hebt sie von der Masse an Animes ab. Die vielen Umgebungen und Landschaften hingegen machen einen hübschen Eindruck. Ebenso können die Explosions- und Schusseffekte auf voller Linie überzeugen. Die knalligen Farben haben einen tollen Anblick zum Resultat. Die getestete Blu-ray-Fassung verfügt über ein stechend scharfes Bild bei Full HD-Auflösung. Technisch reden wir hier von einem hohen Niveau, das auch beim Sound-Aspekt vorzufinden ist. Fliegende Kugeln und Explosionen sehen nicht nur schön aus, sondern klingen auch wuchtig. Ich habe die sechs Folgen hauptsächlich in der deutschen Umsetzung gehört, für die Anime House das Studio von Kölnsynchron engagiert hat. Die Stimmen sind allemal gut getroffen. Von Koko über Jonah bis hin zu den Kameraden und Gegenspielern der Waffenhändlerin sind alle passend gewählt. Hier liefern Label und Studio tatsächlich eine der besten Synchronisationen ab, die ich in den letzten Monaten gehört habe! Wer mit deutschen Vertonungen grundsätzlich nichts anfangen kann, hat selbstverständlich die Möglichkeit, auf die japanische Originaltonspur umzuschalten. Optional bieten sich weiße Untertitel mit schwarzer Kontur an, die deutschen Text zum japanischem Gesprochenen liefern. Deutsche und japanische Tonspur liegen im DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo Format vor, sorgen für klaren Sound.

Mit dem Opening „Borderland“ von „Mami Kawada“ konnte ich mich nicht unbedingt anfreunden. Der Song geht zwar schnell ins Ohr, doch gefällt es mir wirklich nicht, wenn japanische Frauen – Stimme durch Verzerrungsfilter auch noch völlig entfremdet – in desaströsem Englisch singen. Das ruhigere Ending, „Yanagi Nagi“ mit „Shiroku Yawaraka na Hana “, hörte ich wesentlich lieber. Letztendlich geht es bei Opening und Ending Songs immer um Geschmackssache. Als Bonus-Material hat Anime House die beiden Songs als Karaoke-Version auf die Scheibe gepackt. Ebenso sind neben den Credits auch Trailer zur Serie „Tari Tari“ und zum Film „Das Leben des Budori Gusko“ enthalten. Auf folgenden Bildern seht ihr das Frontcover und die Rückseite, die sich im Amaray-Case präsentieren. Durch das Wendecover habt ihr die Möglichkeit, ein alternatives Frontcover auszuwählen, das sich auch ohne USK-Logo zeigt. Eine Postkarte ist ebenso mit von der Partie wie ein 14-seitiges Booklet. Das Büchlein wartet mit Inhaltsangaben zu den enthaltenen Folgen, Charakterskizzierungen und Artworks auf euch und stellt für Sammler ein regelrechtes Highlight dar. Ebenso interessant für Sammler: Die Erstauslieferung kommt mit einem Sammelschuber daher, der in meiner Rezensionsfassung fehlt und somit unten nicht abgebildet ist. Solange der Schuber nicht vergriffen ist, erhaltet ihr beim Kauf zusätzlich zum Gezeigten eine wirklich hübsche Sammelbox, die Platz für alle vier Volumes bieten wird. Bei Amazon.de ist die Blu-ray-Fassung derzeit für 35,99€ verfügbar (DVD für 39,99€), was einen Preis pro Folge von knapp 6€ ausmacht (DVD etwa 6,66€). Angesichts der gelungenen Synchronisation und den netten Extras in Form von Booklet und Schuber ergibt sich dadurch meiner Meinung nach ein absolut fairer Preis.

Fazit:

Jormungand bietet von der ersten Minute an unterhaltsame Action und hat mich nach den ersten sechs Folgen vollkommen in den Bann gezogen. Die Figuren zeigen Potential, allen voran Koko und Jonah haben das Zeug zu wirklich einprägsamen Charakteren. Spätestens nach Folge 5 hat mich die Serie vollends überzeugt und ich bin gespannt, wie es mit der Waffenhändlerin und ihrer Gefolgschaft weitergeht. Überrascht hat mich die deutsche Synchronisation, die ich durch passende Stimmenwahl und souveräne Sprecher jedem zumindest zum Probehören ans Herz lege. Ein liebevoll gestaltetes Booklet und ein ansehnlicher Sammelschuber runden die erste Volume zum gelungenen Gesamtpaket ab. Jormungand ist Pflichprogramm für alle Action-Fans, Volume 2 kann kommen!

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Ein großer Dank gilt Anime House für das Bereitstellen eines Rezensionsmusters.

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